Jahreslosung

Jahreslosung 2018: „Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ (Offenbarung 21,6 (L) )

Ein herrlich sinnliches Bibelwort. Wir kennen das glucksende Geräusch, mit dem die Quelle aus dem Boden hervor sprudelt. Das hat mit dem Geheimnis einer Tiefe zu tun, vor der wir uns nicht fürchten müssen. Es ist eine gebärende Tiefe. Sie bringt verborgenes Leben zur Welt. Deshalb auch dieser wunderschöne Name: Lebendiges Wasser. Es bricht hervor. Es beginnt zu fließen. Es lebt und macht Leben möglich. Lebendiges Wasser ist etwas vollkommen anderes als totes Wasser. Das eine ist klar, das andere schmutzig. Das eine ist unterwegs, das andere stockt. Das lebendige Wasser singt hell. Das tote schweigt dumpf.

Eröffnet wird unsere Jahreslosung durch zwei sehr große Worte: „Gott spricht!“ Damit fängt alles an. Das ist der Quell. „Gott spricht.“ Wir finden die Stimme Gottes vielfältig in der Bibel und in unserem Leben. Oft spricht Gott in dieselbe Stille, der wir an der Quelle lauschen. Und es ist auch derselbe Weg dorthin: Aufwärts, gegen die Fließrichtung des Baches. Oder besser: Gegen den Strom. Der Weg zu Gott ist der Weg zur Quelle. Gott weiß von unserem Durst nach Leben. Er kennt unsere ausgetrockneten Seelen. Dort hinein spricht er dies köstliche Wort: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“

Wenn Gott so zu uns spricht, können wir das auch zum Anderen, egal aus welchem Land er kommt: „Ich kann dich nicht satt machen, Bruder, Schwester. Aber lass uns den Weg zur Quelle ein Stück miteinander gehen! Weißt du, wir sind sehr verschieden, du und ich, oh ja, unsagbar verschieden. Wir wollen uns das auch nicht verlügen. Aber wir haben denselben Durst. Wir sind unterwegs zum lebendigen Wasser, zum Gott des Lebens. Lass uns ein Stück miteinander gehen, aufwärts und gegen den Strom! Hab keine Angst: Ich bin genauso gottvergessen wie du. Ich bin genauso heillos in mir selbst verloren. Es gibt so viele schmutzige, trübe Wasser in mir, dass es zum Himmel stinkt.

Aber: Hast du nicht gehört, Bruder, Schwester, was Gott spricht? „Ich will dir geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Das meint uns, dich und mich, die wir so oft reden, wenn wir schweigen sollten und uns damit gegenseitig betrüben. Wollen wir hin und wieder miteinander still sein, damit es sprudeln kann in uns? Denn, schau nur: Der Heilige will uns „geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Diese Gabe kostet nichts. Unbezahlbares kannst du nicht bezahlen. Das ist die Botschaft der Quelle: Was aus dieser Tiefe kommt, ist umsonst.

Jahreslosung 2017: „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“ (Hesekiel 36, 26)

Komm, schenke mir ein neues Herz
für all den Kummer und den Schmerz,
für all die Freude und das Glück
und für den aufmerksamen Blick,
Schenk mir ein Herz für die Verstörten,
die Zögernden und die Betörten,
für alle, die sich selbst verachten,
für die Verkrümmten und Verlachten,
schenk mir ein Herz für stumme Münder
und für das Leid verlorner Kinder,
für alle, die in diesen Tagen,
eine schwere Trauer tragen.
Ein neues Herz für die Verhassten,
die sich verzweifelt selbst verpassten,
die Hunger leiden in den Seelen
und sich durch leere Nächte quälen.
Gib mir ein Herz für die Betrübten,
die jammervollen Selbstverliebten,
die Suchenden, die niemals finden
und sprachlos in sich selbst verschwinden.
Ein Herz für all die Ungewissen,
die sich selbst verletzen müssen,
weil nur der Schmerz, den sie sich geben,
sie spüren lässt, dass sie noch leben.
Für alle, die in ihrem Sehnen
sich zu weit ins Leben lehnen,
die sich im Rausch die Welt verlügen
und ihren schönsten Traum betrügen.
Gib mir ein Herz auch für die Alten,
die sich für überflüssig halten
und deren Kräfte still versiegen,
wenn sie in ihrem Kummer liegen.
Auch für die Jungen, die es wagen,
den falschen Schein zu hinterfragen,
laut und frech die Welt zu stören
und sich unbeirrt zu wehren.
Gib mir ein Herz für all die Fremden
in ihren allerletzten Hemden,
die in Meeren, Wüsten, Flüssen
um ihr Leben kämpfen müssen
und hier, in ihrem großen Schmerz,
Menschen brauchen mit viel Herz.
Auch für die Rechten, die sich hassen
und das die Schwächsten spüren lassen.
Mach mein Herz besonders weit
für ihre kalte Einsamkeit.
Und Herr, weil du von all dem weißt,
leg in uns einen neuen Geist!
Der unser kleines Herz berührt
und zu einer Sehnsucht führt,
die sich streckt nach einem Mut,
der einfach sagt: Ich bin dir gut.
Du bist gewollt, so wie du bist,
von dem, der deine Hoffnung ist.
Schenk uns, Herr, in Freud und Schmerz,
im neuen Geist ein neues Herz!

Thomas Perlick